Mainz/Wiesbaden (dpa) - 18. November 2008
Secco ist auf dem Vormarsch - Modeerscheinung oder dauerhafter Trend?
Er ist eine immer beliebtere
Alternative zu Sekt und Wein: Der Perlwein oder auch Secco ist nach
Einschätzung von Experten in Deutschland auf dem Vormarsch. «Es hat
mittlerweile fast jedes Weingut einen Perlwein oder einen Secco im
Angebot», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) in
Mainz. «Secco ist mittlerweile ein Begriff», meint auch Wein-Fachmann
Otto Schätzel vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-
Nahe-Hunsrück in Oppenheim. Dabei wird der bitzelnde Wein nicht nur
zu Sommerpartys gereicht - er gilt inzwischen das ganze Jahr über als
trendige Alternative zum Wein. Allerdings beschäftigt die streng
geregelte Secco-Herstellung auch immer wieder die Weinstaatsanwälte -
etwa, wenn Winzer mehr Kohlensäure als erlaubt zusetzen.
Sogar musikalisch verewigt wurde der Perlwein schon: «Das alles
wär' nie passiert - ohne Prosecco», singt Annett Louisan. Gemeint ist
in diesem Fall aber der italienische Perlwein «Prosecco frizzante».
Nur er darf sich aus markenrechtlichen Gründen auch so nennen. In
Deutschland zulässig ist nur die abgeleitete Bezeichnung Secco mit
einem Zusatz, etwa «Primasecco» an der hessischen Bergstraße oder
«MoSecco» an der Mosel, wie Büscher erläutert. Im Rheingau hat eine
Gruppe junger Winzer einen anderen Weg gewählt und ihren Perlwein
«Rheingauer Leichtsinn» getauft.
In Zahlen ausdrücken lässt sich der Trend zum Secco aber nur
schlecht, da die erzeugte Gesamtmenge nicht statistisch erfasst wird.
Belegt ist aber die Menge an deutschen Perlweinen, die einer
bestimmten Qualitätsprüfung unterzogen werden. Laut DWI waren das im
vergangenen Jahr gut 11 000 Hektoliter, knapp ein Fünftel mehr als
noch ein Jahr zuvor.
Der Verband der Perlwein-Hersteller sieht die derzeitige
Entwicklung ebenfalls positiv. «Secco ist interessant, aber ein
Nischenprodukt für den Winzer», sagt Präsident Adolf Lorscheider. Das
leicht perlende Produkt liege genau zwischen Wein und Sekt. Er hoffe,
dass sich der Secco wie einst das Medium-Mineralwasser etablieren
könne. Dies sei für die gesamte Branche positiv.
Warum gibt es also immer mehr Secco? « Da kommen viele Punkte
zusammen. Es passt in die Zeit», meint Wein-Fachmann Schätzel. Einen
Grund sieht er darin, dass vor allem jüngere Winzer in die
Verantwortung gekommen seien und nun versuchten, ihre Produktpalette
zu erweitern. Der Begriff «Secco» stehe außerdem für eine Art
Urlaubsgefühl.
Ein wesentlicher Anreiz für die Winzer könnte auch in der
Herstellung liegen, die beim Secco deutlich einfacher ist als beim
Sekt. Beim Sekt ist eine zweite Gärung in der Flasche Voraussetzung,
was die Produktion aufwendiger macht. Beim Secco kann die Kohlensäure
von außen zugesetzt werden.
Außerdem muss beim Secco keine Rebsorte angegeben werden. Es
lassen sich also Sorten verarbeiten, die sich als Wein vielleicht
nicht so gut verkaufen, wie beispielsweise Scheurebe. «Das sind
objektiv gute Trauben», versichert Schätzel. Perlweine dürfen im
Unterschied zum Sekt außerdem höchstens einen Druck von 2,5 bar
haben. Sonst wird Sektsteuer fällig, die derzeit immerhin bei gut
einem Euro pro 0,75-Liter-Flasche liegt.
Immer wieder müssen aber die Wein-Staatsanwälte eingreifen, weil
dagegen verstoßen wird. Seit 2004 habe es rund 130 Verfahren gegeben,
sagt Gerald Herrbruck von der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach, die
sich schwerpunktmäßig mit Kriminalität rund um den Wein befasst. Bei
der großen Zahl von Winzern sei das aber nicht unverhältnismäßig
viel. Als eine Zeit lang Dornfelder in Mode war, habe es im
Zusammenhang mit dieser Rebsorte auch einige Verfahren mehr gegeben.
Noch springen aber selbst Obstbauern auf den Secco-Zug auf und
bieten etwa einen Kirschsecco an. Wie Ernst Büscher vom DWI
berichtet, «verperlen» mittlerweile auch schon einige Winzer
Traubensaft und verkaufen ihn dann als alkoholfreien «Kinder-Secco».
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